Aufträge finden als Handwerker und Selbstständige: die Kanäle, die wirklich funktionieren

Aktualisiert am 27. Oktober 2026 6 Min. Lesezeit
Tischler bearbeitet in der Werkstatt ein Holzstück mit einem Elektrowerkzeug
Foto: Tima Miroshnichenko / Pexels

Die meisten kleinen Betriebe leben von Empfehlungen und Stammkunden. Wer darüber hinaus Aufträge sucht, braucht vor allem drei Dinge: ein gepflegtes Google-Unternehmensprofil mit echten Bewertungen, eine einfache Website oder einen vollständigen Eintrag im WKO Firmen A-Z und ein, zwei zusätzliche Kanäle wie Vermittlungsportale, Gemeindeaufträge oder Kooperationen mit anderen Gewerken. Welche davon sich lohnen, hängt von deinem Gewerbe und deiner Region ab.

Deine Kanäle im Überblick

  • Stammkunden und Empfehlungen aktiv pflegen, nach jedem Auftrag nachfragen
  • Google-Unternehmensprofil anlegen, bestätigen und vollständig ausfüllen
  • Nach jedem Auftrag um eine ehrliche Bewertung bitten
  • Website oder zumindest den Eintrag im WKO Firmen A-Z mit Fotos und Leistungen füllen
  • Vermittlungsportale nur nach Blick in Preisliste und AGB nutzen
  • Ausschreibungssuche im USP und den Kontakt zur Gemeinde prüfen
  • Mit anderen Gewerken in der Region zusammenarbeiten, schriftlich geregelt

Empfehlungen und Stammkunden: der Kanal, der am wenigsten kostet

In Österreich läuft viel über „man kennt wen“. Ein zufriedener Kunde, der dich beim Nachbarn erwähnt, bringt oft mehr als jede Anzeige. Das passiert aber nicht von allein: Wer gute Arbeit macht und danach nichts mehr von sich hören lässt, wird schnell vergessen.

Mach es deinen Kunden leicht, dich weiterzuempfehlen. Lass nach dem Auftrag eine Visitenkarte oder einen Zettel mit Telefonnummer und Website da. Sag ruhig dazu, dass du dich über Empfehlungen freust. Bei wiederkehrenden Arbeiten wie Wartung, Gartenpflege oder Reinigung lohnt sich eine kurze Erinnerung, wenn der nächste Termin fällig ist, natürlich nur mit Einverständnis des Kunden.

  • Kundenliste mit Datum und Art des Auftrags führen, damit du weißt, wer wann wieder etwas brauchen könnte.
  • Bei Hausverwaltungen, Architekt:innen und Baumeister:innen vorstellen: Sie brauchen oft Betriebe für kleinere Arbeiten.
  • Fotos von fertigen Arbeiten machen (mit Erlaubnis der Kunden). Die brauchst du für Profil, Website und Angebote.

Google-Unternehmensprofil und Bewertungen

Wer „Installateur Baden“ oder „Fliesenleger in der Nähe“ sucht, sieht zuerst die Karte mit den Unternehmensprofilen. Das Profil legst du auf business.google.com an. Erscheinen wird es laut Google erst, wenn du es bestätigt hast, etwa per Telefon, E-Mail, Videoanruf oder Postkarte.

Arbeitest du beim Kunden und empfängst niemanden in deiner Werkstatt, entfernst du laut Google die Adresse aus dem Profil und gibst stattdessen ein Einzugsgebiet an, maximal 20 Orte, Postleitzahlen oder Regionen.

Bewertungen sind der zweite Teil: Bitte jeden Kunden nach dem Auftrag um eine ehrliche Bewertung. Bezahlte Bewertungen und Bewertungen gegen Rabatte oder Gratisleistungen sind laut Google-Richtlinien verboten, gefälschte Bewertungen gelten laut Anhang zum UWG gegenüber Verbrauchern als unlautere Geschäftspraktik. Wie du das Profil einrichtest und mit Bewertungen umgehst, steht im eigenen Ratgeber zum Google-Unternehmensprofil.

Eigene Website und WKO Firmen A-Z

Eine Website muss nicht groß sein. Eine Seite mit deinen Leistungen, dem Gebiet, in dem du arbeitest, ein paar Fotos echter Arbeiten und einer Telefonnummer reicht für den Anfang. Wichtig ist, dass Kunden in fünf Sekunden sehen, was du machst und wo.

Für Firmenwebsites gelten laut WKO Informationspflichten, unter anderem nach § 5 E-Commerce-Gesetz und, je nachdem ob du im Firmenbuch stehst, nach § 14 UGB oder § 63 GewO, dazu die Offenlegung nach dem Mediengesetz. Die WKO hat dafür Leitfäden „Das korrekte Website-Impressum“ je nach Rechtsform.

Bist du WKO-Mitglied, sind laut WKO im Firmen A-Z Basisdaten wie Firmenwortlaut, Standort und Gewerbe automatisch hinterlegt. Laut WKO ist das eine kostenlose Möglichkeit, dich online zu präsentieren: Du kannst Logo, bis zu acht Fotos, Texte und einen Link zur Website ergänzen. Viele lassen den Eintrag leer, obwohl das Ausfüllen wenig Aufwand ist.

Vermittlungsportale: vorher rechnen

Auf Vermittlungsportalen beschreiben Kunden einen Auftrag, Betriebe melden sich darauf. Die Geschäftsmodelle unterscheiden sich stark: Manche Portale verlangen ein Abo, andere eine Gebühr pro Kontakt oder Anfrage, wieder andere eine Provision vom Auftragswert oder verkaufen bezahlte Platzierungen. Was für dich günstiger ist, hängt davon ab, wie viele Anfragen tatsächlich zu Aufträgen werden.

Lies vor der Anmeldung die Preisliste und die AGB, nicht nur die Startseite. Auf goconnecta zum Beispiel siehst du Anfragen aus deiner Region und schickst Angebote, ohne Provision vom Auftrag, und Angebote schicken dort nur geprüfte Firmen.

  • Was kostet ein Kontakt oder eine Anfrage, und zahle ich auch, wenn ich den Auftrag nicht bekomme?
  • Gibt es eine Mindestlaufzeit, verlängert sich das Abo automatisch, wie lang ist die Kündigungsfrist?
  • Wie viele Betriebe sehen dieselbe Anfrage?
  • Wird eine Provision vom Auftrag fällig, und wie wird sie berechnet?
  • Wer prüft, ob Kunden und Betriebe echt sind?

Öffentliche Aufträge: Gemeinde, Land, Bund

Öffentliche Auftraggeber machen ihre Ausschreibungen nach dem Bundesvergabegesetz bekannt. Laut Unternehmensserviceportal kannst du die danach veröffentlichten Ausschreibungen in der Ausschreibungssuche auf usp.gv.at ohne zusätzliche Anmeldung an einer Stelle durchsuchen. Aufträge über den EU-Schwellenwerten stehen laut WKO zusätzlich in TED, der Ausschreibungsdatenbank der EU.

Daneben nennt die WKO kostenpflichtige Suchdienste, etwa das Vergabeportal des ANKÖ (mit einem kostenlosen Testmonat) oder auftrag.at mit Monats- oder Jahresabo, das Ausschreibungen automatisch für dich beobachtet. Preise und Bedingungen können sich ändern, prüf sie direkt beim Anbieter.

Für kleine Betriebe interessant sind die kleineren Aufträge. Bauaufträge mit einem geschätzten Wert unter 200.000 € dürfen öffentliche Auftraggeber laut § 46 Bundesvergabegesetz (Fassung seit 1. März 2026) direkt vergeben, ohne formelle Ausschreibung. Liegt der Wert über 50.000 €, sollen sie laut Gesetz grundsätzlich mindestens drei Angebote oder unverbindliche Preisauskünfte einholen (Stand Oktober 2026). Wer bei der Gemeinde, beim Bauhof oder bei der Schule im Ort bekannt ist, wird bei so einer Preisauskunft eher gefragt.

Netzwerke und Kooperationen mit anderen Gewerken

Über deine Innung in der Wirtschaftskammer lernst du Betriebe aus deinem Gewerbe kennen, die Arbeit abgeben können, wenn sie ausgelastet sind. Dazu kommen lokale Unternehmerstammtische, Gewerbevereine und Veranstaltungen der Gemeinde.

Viele Kunden wollen nicht fünf Betriebe einzeln koordinieren. Wenn Installateur, Elektriker und Fliesenleger ein Bad gemeinsam anbieten, ist das ein echter Vorteil. Laut WKO kann dabei aber schon durch einen gemeinsamen Auftritt nach außen eine Gesellschaft bürgerlichen Rechts (GesbR) entstehen, auch ohne dass ihr das wollt. Die Partner haften dann in der Regel persönlich und gesamtschuldnerisch.

Verlangt ein Auftrag verschiedene Fachkompetenzen, muss bei einer Arbeitsgemeinschaft (ARGE) laut WKO, mit Verweis auf den Verfassungsgerichtshof, jedes Mitglied in der Regel nur die Berechtigung für seinen eigenen Teil nachweisen. Gibst du einen Auftrag an einen Subunternehmer weiter, haftest du dem Kunden gegenüber laut WKO weiterhin selbst, auch für dessen Fehler.

Häufige Fragen

›Wie finde ich als Handwerker schnell neue Aufträge?

Am schnellsten über bestehende Kunden und deren Empfehlungen, ein bestätigtes Google-Unternehmensprofil und Vermittlungsportale. Öffentliche Aufträge und Kooperationen brauchen länger, bringen aber oft größere oder regelmäßige Arbeit.

›Wie komme ich an Aufträge von Privatkunden?

Privatkunden suchen vor allem über Google und fragen im Bekanntenkreis. Ein vollständiges Profil mit Einzugsgebiet, Fotos und echten Bewertungen, dazu Mundpropaganda nach jedem Auftrag, sind die Basis.

›Lohnen sich Vermittlungsportale für Handwerker?

Das hängt vom Geschäftsmodell und deiner Abschlussquote ab. Rechne aus, was dich ein tatsächlicher Auftrag über das Portal kostet, und prüf vorher Laufzeit, Kündigungsfrist und ob eine Provision fällig wird.

›Wo finde ich öffentliche Ausschreibungen in Österreich?

Laut USP in der Ausschreibungssuche auf usp.gv.at, ohne zusätzliche Anmeldung. Aufträge über den EU-Schwellenwerten stehen laut WKO zusätzlich in der EU-Datenbank TED. Daneben gibt es kostenpflichtige Dienste wie ANKÖ oder auftrag.at.

›Darf ich mit anderen Betrieben gemeinsam anbieten?

In der Regel ja. Laut WKO kann dabei aber schnell eine GesbR mit persönlicher Haftung entstehen. Regle die Zusammenarbeit schriftlich und kläre bei der WKO, welche Gewerbeberechtigungen ihr braucht.

Anfragen aus deiner Region sehen

Auf goconnecta beschreiben Leute aus deiner Region, was sie brauchen. Leg dein Firmenprofil an, dann siehst du passende Anfragen und schickst dein Angebot direkt. Kostenlos, ohne Provision.

So kann eine Anfrage aussehen

„Badezimmer im Einfamilienhaus in Tulln, ca. 7 m²: alte Fliesen runter, neue Wand- und Bodenfliesen, Badewanne gegen bodengleiche Dusche tauschen. Fliesen suche ich gerne gemeinsam aus. Bitte Angebot inkl. Abbruch und Entsorgung, Preise brutto. Start ab Februar möglich.“

Kostenlos Aufträge finden

Quellen & Stand

Alle Angaben ohne Gewähr: Preise sind unverbindliche Richtwerte, rechtliche Hinweise allgemeine Informationen. Zuletzt geprüft am 27. Oktober 2026. Für deinen Einzelfall frag bei der zuständigen Stelle, einem Anwalt oder Steuerberater nach.

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