Kunden gewinnen als Reinigungsfirma: Gewerbe, Segmente und Daueraufträge

Aktualisiert am 29. Oktober 2026 4 Min. Lesezeit
Person wischt in einem Wohnzimmer einen gefliesten Boden
Foto: Tima Miroshnichenko / Pexels

Vor dem ersten Kunden steht die Frage nach dem Gewerbe: Laut WKO ist die Denkmal-, Fassaden- und Gebäudereinigung ein Handwerk mit Befähigungsnachweis, daneben gibt es ein freies Reinigungsgewerbe für einfachere Tätigkeiten. Danach gewinnst du Kunden vor allem mit einem klaren Segment, einem Leistungsverzeichnis, das Hausverwaltungen oder Büros vergleichen können, und Daueraufträgen statt nur Einzeljobs.

Bevor du Kunden suchst

  • Gewerbe klären: Handwerk oder freies Reinigungsgewerbe, passend zu deinen Leistungen
  • Ein, zwei Segmente wählen, nicht alles gleichzeitig anbieten
  • Leistungsverzeichnis als Vorlage vorbereiten
  • Angebotskalkulation mit Stunden, Material und Fahrt
  • Fotos und Referenzen sammeln (mit Erlaubnis)
  • Google-Profil mit Einzugsgebiet anlegen

Welches Gewerbe du brauchst

In § 94 Gewerbeordnung steht unter Z 13 das Handwerk „Denkmal-, Fassaden- und Gebäudereinigung“. Als Befähigungsnachweis nennt die WKO die Meisterprüfung in diesem Handwerk und die Unternehmerprüfung. Zum Tätigkeitsbereich zählt die WKO unter anderem Büroreinigung (tägliche Unterhaltsreinigung), Baureinigung, Grundreinigung, Krankenhaus- und Pflegeheimreinigung, Glas- und Fassadenreinigung, Sanitär- und Lüftungsreinigung sowie die Reinigung von Solar- und Photovoltaikanlagen, ohne Anspruch auf Vollständigkeit.

Daneben führt die WKO ein „Freies Reinigungsgewerbe“, für das kein Befähigungsnachweis erforderlich ist, und das freie Gewerbe des Hausbetreuers, für das die WKO keine besonderen Voraussetzungen nennt. Wo die Grenze für deine Leistungen genau verläuft, hängt von der Tätigkeit ab, etwa bei Büros oder Fassaden. Frag vor der Anmeldung bei der WKO-Fachgruppe oder der Gewerbebehörde nach.

Segmente: wer braucht wen?

Jedes Segment hat andere Entscheider, andere Preise und andere Erwartungen. Such dir am Anfang ein bis zwei aus.

Stiegenhäuser und Hausverwaltungen sind das klassische Dauersegment: Die Kosten der Hausbetreuung gehören im Vollanwendungsbereich des MRG zu den Betriebskosten, das erklärt der Ratgeber zur Stiegenhausreinigung. Verwalter holen darum oft mehrere Angebote ein und vergleichen Stunden und Intervalle. Bei Endreinigungen für Auszüge und Ferienwohnungen zählt vor allem Termintreue: Wer am Übergabetag pünktlich fertig ist und Fotos der fertigen Räume schickt, wird wieder gebucht.

  • Privathaushalte: wiederkehrende Reinigung, Fenster, Grundreinigung. Viele Kunden entscheiden nach Empfehlung.
  • Stiegenhäuser und Hausverwaltungen: Verwalter vergeben laufende Aufträge nach Leistungsverzeichnis und Angebot.
  • Büros und Praxen: feste Zeiten nach Betriebsschluss, Zuverlässigkeit und Hygiene zählen.
  • Endreinigung: Auszüge, Ferienwohnungen, Wohnungsübergaben. Termingenau und oft kurzfristig.

Privathaushalt: Konkurrenz Dienstleistungsscheck

Privatkunden haben auch die Möglichkeit, selbst jemanden anzustellen, etwa mit dem Dienstleistungsscheck (DLS), der laut oesterreich.gv.at für Beschäftigung in privaten Haushalten gedacht ist. Dann ist der Haushalt Arbeitgeber. Wie das funktioniert und was es kostet, steht im Ratgeber zur Haushaltshilfe.

Dein Argument als Firma ist, was der Haushalt dabei nicht selbst organisieren muss: Ersatz bei Krankheit, Material, Abrechnung per Rechnung. Schreib das so auf Website und Angebot, ohne den DLS schlechtzumachen.

Leistungsverzeichnis und Reinigungsvertrag

Bei Hausverwaltungen und Büros gewinnt, wer klar sagt, was wann geputzt wird. Ein Leistungsverzeichnis listet jede Fläche mit Tätigkeit und Intervall auf, dazu Stunden pro Woche, Mittel und Material, Kontrolle und Sonderleistungen. Was in den Vertrag gehört, steht im Ratgeber zur Stiegenhausreinigung.

Vermeide Formulierungen wie „Reinigung nach Bedarf“, sie führen zu Streit. Lege Laufzeit, Kündigungsfrist und Preisanpassung fest, und weise Sonderleistungen wie Grundreinigung oder Außenfenster getrennt aus.

Daueraufträge statt Einzeljobs

Einzeljobs wie eine Endreinigung bringen schnell Geld, aber du musst jedes Mal neu Kunden finden. Daueraufträge (wöchentlich, zweiwöchentlich, monatlich) geben dir planbare Einnahmen und planbare Personaleinsatzzeiten. Eine Mischung ist sinnvoll: Daueraufträge als Basis, Endreinigungen und Grundreinigungen als Zusatz.

Nutze Einzeljobs als Türöffner: Wer eine Wohnung nach dem Auszug sauber übergeben hat, braucht vielleicht bald eine laufende Reinigung. Biete beim Abschluss an, wiederzukommen.

Angebot kalkulieren

Rechne in Stunden: Fläche, Verschmutzung und Raumart bestimmen, wie lange du brauchst. Für Reinigungskräfte legt die ÖNORM D 2050 laut WKO maximale Quadratmeterleistungen fest, die über den Rahmenkollektivvertrag für Arbeitgeber und Arbeitnehmer verbindlich werden. Das hilft, zu knappe Stunden zu vermeiden. Die WKO führt außerdem eine Lohnordnung für Arbeiter in der Denkmal-, Fassaden- und Gebäudereinigung (gültig ab 1.1.2026), sie bestimmt deine Lohnkosten, wenn du Personal beschäftigst.

Auf die Stunden kommen Material, Fahrtzeit, Geräte und dein Aufschlag für Verwaltung und Risiko. Richtwerte, was Kunden für Stiegenhäuser und Endreinigungen zahlen, findest du in den Ratgebern zu Stiegenhausreinigung und Grundreinigung. Gegenüber Verbrauchern gilt ein Kostenvoranschlag laut WKO als verbindlich, wenn du nicht ausdrücklich etwas anderes erklärst.

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Referenzen und Sichtbarkeit

Fotos vorher und nachher (mit Erlaubnis der Kunden, ohne erkennbare Wohnungsdaten), kurze Referenzen von Hausverwaltungen und Bewertungen auf Google wirken stärker als jede Eigenwerbung. Wie du ein Google-Profil mit Einzugsgebiet einrichtest und ehrlich Bewertungen bekommst, steht im Ratgeber zum Google-Unternehmensprofil. Weitere Kanäle beschreibt der Ratgeber „Aufträge finden als Handwerker“.

Häufige Fragen

›Welches Gewerbe brauche ich für eine Reinigungsfirma?

Die Denkmal-, Fassaden- und Gebäudereinigung ist laut Gewerbeordnung ein Handwerk, die WKO nennt als Nachweis die Meisterprüfung und die Unternehmerprüfung. Daneben gibt es ein freies Reinigungsgewerbe ohne Befähigungsnachweis. Welche Tätigkeit wohin fällt, klär mit der WKO.

›Wie finde ich als Reinigungsfirma Kunden?

Über ein klares Segment, Empfehlungen, ein Google-Profil mit Bewertungen und aktive Ansprache von Hausverwaltungen und Büros. Ein gutes Leistungsverzeichnis erleichtert dort die Entscheidung.

›Lohnen sich Daueraufträge mehr als Einzeljobs?

Sie bringen planbare Einnahmen und Einsatzzeiten, Einzeljobs wie Endreinigungen bringen schnell Geld. Eine Mischung funktioniert meist am besten.

›Wie kalkuliere ich ein Reinigungsangebot?

Über die Stunden, die Fläche und Verschmutzung brauchen, plus Material, Fahrt und Aufschlag. Die ÖNORM D 2050 gibt laut WKO maximale Quadratmeterleistungen vor.

›Wie unterscheidet sich das vom Dienstleistungsscheck?

Beim DLS stellt ein Privathaushalt die Hilfe selbst an. Als Firma bietest du Leistung per Rechnung an, inklusive Organisation und Ersatz.

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So kann eine Anfrage aussehen

„Hausverwaltung in Linz sucht Reinigungsfirma für eine Wohnhausanlage mit 2 Stiegen, je 4 Stockwerke und Lift, 24 Wohnungen, dazu Müllraum und Kellergänge. Stiegenhäuser wöchentlich, Fenster zweimal im Jahr. Bitte Angebot mit Stunden pro Woche und Leistungsverzeichnis.“

Kostenlos Aufträge finden

Quellen & Stand

Alle Angaben ohne Gewähr: Preise sind unverbindliche Richtwerte, rechtliche Hinweise allgemeine Informationen. Zuletzt geprüft am 29. Oktober 2026. Für deinen Einzelfall frag bei der zuständigen Stelle, einem Anwalt oder Steuerberater nach.

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