KI-Kompetenz nach Art. 4 AI Act: Muss ich meine Mitarbeiter schulen?

Aktualisiert am 22. Oktober 2026 5 Min. Lesezeit
Zwei Kollegen im Büro, einer zeigt dem anderen etwas auf dem Laptop
Foto: LinkedIn Sales Navigator / Pexels

Ja, wenn dein Team KI-Tools wie ChatGPT beruflich nutzt, musst du etwas tun. Art. 4 AI Act gilt seit 2. Februar 2025 und verlangt seit dem Digital Omnibus (Juli 2026), dass du Maßnahmen setzt, um die KI-Kompetenz deiner Leute zu unterstützen. Ein Zertifikat, eine Mindeststundenzahl oder ein KI-Beauftragter sind laut RTR nicht vorgeschrieben, eine kurze interne Schulung mit sauberer Dokumentation ist für einen Kleinbetrieb ein vernünftiger Weg.

So dokumentierst du KI-Kompetenz

  • Liste der KI-Tools im Betrieb und wer sie wofür nutzt
  • Schriftliche KI-Richtlinie, für alle leicht auffindbar
  • Kurzes Schulungskonzept: wer bekommt welche Inhalte, wie oft
  • Pro Schulung: Inhalt, Datum, Dauer, Teilnehmer
  • Unterlagen oder Folien aufbewahren
  • Neue Mitarbeitende und neue Tools: Einweisung nachholen und notieren

Was Art. 4 seit dem Digital Omnibus genau verlangt

In der ursprünglichen Fassung mussten Anbieter und Betreiber von KI-Systemen „nach besten Kräften sicherstellen“, dass ihr Personal über ein ausreichendes Maß an KI-Kompetenz verfügt. Mit der Digital-Omnibus-Verordnung (EU) 2026/1744, in Kraft seit 27. Juli 2026, wurde Art. 4 neu gefasst.

Jetzt müssen Anbieter und Betreiber Maßnahmen ergreifen, um die Entwicklung der KI-Kompetenz ihres Personals und anderer Personen zu unterstützen, die in ihrem Auftrag mit KI-Systemen arbeiten. Zu berücksichtigen sind Vorwissen, Erfahrung, Ausbildung und der Einsatzbereich. Der Text sagt ausdrücklich, dass du für niemanden ein bestimmtes Kompetenzniveau garantieren musst.

Betreiber bist du in der Regel schon dann, wenn du oder dein Team ein fertiges KI-Tool beruflich nutzt. Die Pflicht gilt laut RTR unabhängig davon, wie riskant das Tool ist. Neu ist außerdem: Kommission und Mitgliedstaaten sollen besonders KMU dabei unterstützen, die Kommission veröffentlicht dazu praktische Beispiele.

Wer geschult werden muss

Laut RTR betrifft Art. 4 alle, die im Unternehmen KI entwickeln, betreiben oder einsetzen, und auch Dritte wie Dienstleister, wenn sie am KI-Einsatz in deinem Betrieb mitwirken. Wer nie mit KI arbeitet, muss nicht geschult werden.

Nicht jeder braucht dasselbe. Die RTR nennt unterschiedliche Anforderungen für Führungskräfte, Projektteams und Lehrlinge. Stellst du aber der ganzen Belegschaft ChatGPT zur Verfügung, sind laut RTR wiederkehrende Schulungen für alle sinnvoll, auch für Neueintritte.

Was reicht: Inhalte einer KI-Schulung

Spezifische Mindestinhalte schreibt der AI Act nicht vor. Die RTR nennt als mögliche Inhalte:

  • Eure KI-Strategie, interne Richtlinien und wer Ansprechperson ist
  • Digitale Grundkompetenz, etwa nach dem österreichischen Kompetenzmodell DigComp 2.3 AT
  • Wie KI funktioniert, wofür sie sich eignet und wo sie Arbeit erleichtert
  • Grenzen: Halluzinationen, Bias, Bedeutung der Trainingsdaten
  • Hinweise zu den konkret im Betrieb eingesetzten Tools, etwa ein Prompting-Workshop
  • Rechtliche Punkte: Datenschutz, Geschäftsgeheimnisse, Kennzeichnung

Zertifikat oder KI-Führerschein? Nicht vorgeschrieben

Laut RTR gibt es derzeit keine Zertifizierungen für Schulungen nach Art. 4, eine „dem AI Act entsprechende“ Zertifizierung ist deshalb nicht möglich. Auch Leitlinien der Kommission zu Mindestinhalten gibt es laut RTR noch nicht.

Wie du schulst, ist offen: interne Fortbildung, externe Beratung, Workshop, Vortrag oder E-Learning. Laut RTR können auch interne Schulungen durch qualifizierte Mitarbeitende ausreichen. Einen KI-Beauftragten musst du nicht bestellen.

Dokumentation: so kannst du es nachweisen

Eine ausdrückliche Dokumentationspflicht enthält Art. 4 nicht. Die RTR empfiehlt trotzdem, die Umsetzung zu dokumentieren: eine schriftliche KI-Strategie, eine interne KI-Richtlinie, die im Betrieb einfach abrufbar ist, ein Schulungskonzept und zu jeder Schulung Inhalt, Zeitpunkt und Teilnehmer. Muster und ein Online-Tool für KI-Richtlinien bietet die WKO.

  1. 1

    Bestand erheben

    Welche KI-Tools gibt es, wer nutzt sie? Neue KI-Funktionen kommen oft per Software-Update dazu.

  2. 2

    Gruppen bilden

    Wer nutzt KI nur gelegentlich für Texte, wer arbeitet damit in sensiblen Bereichen wie Personal oder Kundendaten?

  3. 3

    Schulen

    Kurze Einheit pro Gruppe, intern oder extern. Bei neuen Tools und neuen Leuten wiederholen.

  4. 4

    Festhalten

    Teilnehmerliste mit Datum und Inhalt, Unterlagen ablegen. Ein Ordner oder eine Tabelle reicht.

Welche Strafe droht ohne KI-Schulung?

Hier widersprechen sich die Quellen. Manche Artikel schreiben, dass Verstöße gegen Art. 4 ab 2. August 2026 mit Bußgeldern geahndet werden. Der Verordnungstext sieht das so nicht vor: Art. 99 Abs. 3 bis 5 nennt die Bußgeldrahmen für konkrete Pflichten, Art. 4 ist dort nicht aufgezählt. Laut RTR sieht der AI Act selbst keine verwaltungsstrafrechtliche Sanktion für Art. 4 vor.

Grundsätzlich können die Mitgliedstaaten nach Art. 99 Abs. 1 eigene Sanktionsregeln festlegen. In Österreich gibt es laut RTR aber noch keine nationale Umsetzung, Stand Oktober 2026.

Wichtiger ist die Haftung. Laut RTR sind fehlende Schulungen in der Regel nach § 1313a ABGB dem Unternehmer zurechenbar, Art. 4 präzisiert hier die unternehmerische Sorgfaltspflicht. Entsteht also ein Schaden, weil jemand mangels Wissen falsch mit KI umgegangen ist, kann dir das angelastet werden. Im Einzelfall frag bei der WKO oder einem Anwalt nach.

Häufige Fragen

›Ist eine KI-Schulung in Österreich Pflicht?

Wenn dein Personal KI beruflich nutzt, verlangt Art. 4 AI Act seit 2. Februar 2025 Maßnahmen zur KI-Kompetenz. Eine Schulung ist dafür der naheliegende Weg, die Form ist aber frei. Seit dem Digital Omnibus musst du kein bestimmtes Kompetenzniveau garantieren.

›Brauche ich ein Zertifikat als Nachweis der KI-Kompetenz?

Nein. Laut RTR gibt es derzeit keine Zertifizierung nach dem AI Act. Als Nachweis eignen sich eine schriftliche KI-Richtlinie und Aufzeichnungen, wer wann was gelernt hat.

›Wie lange muss eine KI-Schulung dauern?

Eine Mindestdauer gibt es nicht. Sie hängt davon ab, welche Tools ihr wofür nutzt. Für gelegentliche Textarbeit reicht oft eine kurze Einheit, wer KI in sensiblen Bereichen einsetzt, braucht mehr.

›Reicht ein Online-Kurs oder ein E-Learning?

Laut RTR sind neben Workshops und Vorträgen auch E-Learnings denkbar. Achte darauf, dass auch eure eigenen Tools und Regeln vorkommen, ein allgemeiner Kurs allein deckt das oft nicht ab.

›Müssen auch Freelancer oder externe Dienstleister geschult werden?

Laut RTR erfasst Art. 4 auch Dritte, die in deinem Auftrag am KI-Einsatz mitwirken. Praktisch heißt das: Gib ihnen deine KI-Regeln mit und kläre im Auftrag, wie sie KI verwenden.

›Welche Strafe droht ohne KI-Kompetenz-Maßnahmen?

Der AI Act selbst sieht laut RTR keine Verwaltungsstrafe für Art. 4 vor, und Österreich hat noch keine eigenen Regeln erlassen (Stand Oktober 2026). Relevant ist die Haftung, wenn durch fehlendes KI-Wissen ein Schaden entsteht.

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Quellen & Stand

Alle Angaben ohne Gewähr: Preise sind unverbindliche Richtwerte, rechtliche Hinweise allgemeine Informationen. Zuletzt geprüft am 22. Oktober 2026. Für deinen Einzelfall frag bei der zuständigen Stelle, einem Anwalt oder Steuerberater nach.

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