EU AI Act einfach erklärt: Was KMU in Österreich jetzt tun müssen

Aktualisiert am 22. Oktober 2026 6 Min. Lesezeit
Mehrere Kolleginnen und Kollegen sitzen mit Laptops an einem Besprechungstisch
Foto: Christina Morillo / Pexels

Für die meisten kleinen Firmen in Österreich ist der EU AI Act überschaubar: Du nutzt fertige KI-Tools wie ChatGPT, bist damit in der Regel „Betreiber“ und musst vor allem zwei Dinge erledigen. Seit 2. Februar 2025 setzt du Maßnahmen für die KI-Kompetenz deiner Leute, seit 2. August 2026 machst du Chatbots und Deepfakes als KI erkennbar. Strenge Hochrisiko-Pflichten, etwa für KI im Bewerbungsverfahren, gelten nach dem Digital Omnibus erst ab 2. Dezember 2027.

Kurz-Check für deinen Betrieb

  • Liste aller KI-Tools und KI-Funktionen in bestehender Software (auch Office, CRM, Buchhaltung)
  • Pro Tool: wofür, wer nutzt es, welche Daten gehen hinein
  • Rolle klären: nutzt du ein fertiges Tool (Betreiber) oder bietest du KI unter deinem Namen an (Anbieter)?
  • Kurze Schulung oder Einweisung fürs Team, mit Datum und Teilnehmern notiert
  • Chatbot auf der Website? Gut sichtbarer Hinweis, dass man mit einer KI schreibt
  • Realistische KI-Bilder, -Videos oder -Stimmen in Werbung? Kennzeichnen
  • KI im Bewerbungsverfahren oder bei Personalentscheidungen? Vorher beraten lassen

Was der AI Act ist und für wen er gilt

Der AI Act ist die KI-Verordnung der EU, offiziell Verordnung (EU) 2024/1689. Er ist am 1. August 2024 in Kraft getreten und gilt als Verordnung unmittelbar in Österreich, ein eigenes österreichisches Gesetz braucht es dafür nicht. Die Pflichten werden aber schrittweise anwendbar.

Der AI Act unterscheidet vor allem zwischen Anbietern und Betreibern. Anbieter entwickeln ein KI-System oder lassen es entwickeln und bringen es unter eigenem Namen auf den Markt, etwa OpenAI mit ChatGPT. Betreiber setzen ein KI-System beruflich ein. Laut WKO steht für die meisten kleinen Gewerbe- und Handwerksbetriebe genau das im Vordergrund: die Nutzung bereits vorhandener KI-Werkzeuge.

Rein private Nutzung ist ausgenommen. Laut Art. 2 Abs. 10 gilt die Verordnung nicht für Menschen, die KI ausschließlich für persönliche, nicht berufliche Zwecke verwenden. Sobald du KI im Betrieb einsetzt, bist du drin, auch als Ein-Personen-Unternehmen.

Die vier Risikoklassen im Überblick

Der AI Act ordnet KI-Systeme nach ihrem Risiko ein. Je höher das Risiko für Gesundheit, Sicherheit und Grundrechte, desto mehr Pflichten. Die RTR beschreibt vier Stufen:

  • Inakzeptables Risiko (verboten seit 2. Februar 2025): etwa Social Scoring, manipulative KI, Emotionserkennung am Arbeitsplatz und in Bildungseinrichtungen (mit Ausnahmen für medizinische und Sicherheitszwecke)
  • Hohes Risiko (Anhang I und III): etwa KI als Sicherheitsbauteil in Aufzügen, Spielzeug oder Medizinprodukten, KI für Auswahl und Bewertung von Bewerbern, Kreditwürdigkeitsprüfung von Privatpersonen
  • Begrenztes Risiko (Transparenzpflichten nach Art. 50): Chatbots, KI-erzeugte Inhalte, Deepfakes, bestimmte KI-Texte
  • Minimales oder kein Risiko: keine eigenen Zusatzpflichten, die KI-Kompetenz nach Art. 4 gilt laut RTR aber unabhängig von der Risikostufe

ChatGPT, Chatbot, Bewerber-Screening: was für typische Fälle gilt

ChatGPT, Copilot und Co. für Texte, Zusammenfassungen oder Angebote: Du bist Betreiber. Aus dem AI Act folgt für dich in der Regel vor allem die Pflicht, die KI-Kompetenz deines Teams zu fördern. Die DSGVO gilt daneben voll, sobald personenbezogene Daten im Spiel sind.

Chatbot auf der Website: Seit 2. August 2026 müssen Menschen erkennen können, dass sie mit einer KI schreiben, sofern das nicht ohnehin offensichtlich ist. Die Gestaltungspflicht trifft laut RTR den Anbieter des Chatbots. Als Betreiber achtest du darauf, dass der Hinweis im Einsatz auch wirklich sichtbar bleibt, etwa zu Beginn des Chats oder beim Eingabefeld.

KI für Bewerbungen: Systeme, die Bewerbungen sichten, filtern oder Bewerber bewerten sollen, zählen laut Anhang III Nr. 4 zu den Hochrisiko-Systemen. Als Betreiber musst du dann unter anderem das System nach Betriebsanleitung verwenden, eine kompetente Person mit der menschlichen Aufsicht betrauen, Protokolle aufbewahren und Arbeitnehmer sowie deren Vertretung vorab informieren (Art. 26). Diese Pflichten gelten nach dem Digital Omnibus ab 2. Dezember 2027.

Der Zeitplan nach dem Digital Omnibus

Mit dem „Digital Omnibus zur KI“, Verordnung (EU) 2026/1744, hat die EU den AI Act im Sommer 2026 geändert. Sie wurde am 24. Juli 2026 im Amtsblatt veröffentlicht und ist am 27. Juli 2026 in Kraft getreten. Die wichtigsten Termine laut Verordnungstext und RTR, Stand Oktober 2026:

  • 2. Februar 2025: Verbote nach Art. 5 und KI-Kompetenz nach Art. 4
  • 2. August 2025: Regeln für KI-Modelle mit allgemeinem Verwendungszweck (betrifft Anbieter wie OpenAI)
  • 27. Juli 2026: Digital Omnibus in Kraft, Art. 4 neu gefasst
  • 2. August 2026: Transparenzpflichten nach Art. 50 (Chatbots, Deepfakes, KI-Texte)
  • 2. Dezember 2026: neues Verbot von KI für sexualisierte Deepfakes ohne Einwilligung; Anbieter bestehender KI-Generatoren müssen bis dahin die maschinenlesbare Markierung nachrüsten
  • 2. Dezember 2027: Pflichten für Hochrisiko-KI nach Anhang III, z. B. Bewerberauswahl
  • 2. August 2028: Pflichten für Hochrisiko-KI in Produkten nach Anhang I

KI-Inventur: so verschaffst du dir in einem Nachmittag den Überblick

Sowohl die RTR als auch die WKO empfehlen als ersten Schritt eine Bestandsaufnahme. Für einen kleinen Betrieb reicht eine einfache Tabelle.

  1. 1

    Tools sammeln

    Frag im Team nach: Wer nutzt welches KI-Tool, mit welchem Account? Ergänze KI-Funktionen in bestehender Software. Eine vorhandene Softwareliste oder das Verarbeitungsverzeichnis ist ein guter Startpunkt.

  2. 2

    Zweck und Daten notieren

    Wofür wird das Tool genutzt, und gehen Kunden- oder Mitarbeiterdaten hinein? Das brauchst du auch für den Datenschutz.

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    Rolle bestimmen

    Nutzt du ein fertiges Tool, bist du Betreiber. Bietest du selbst eine KI-Anwendung unter deinem Namen an oder veränderst ein System wesentlich, kannst du Anbieter sein, mit deutlich mehr Pflichten.

  4. 4

    Risiko markieren

    Hat das Tool Kundenkontakt (Chatbot), erzeugt es realistische Bilder oder Stimmen, oder beeinflusst es Entscheidungen über Menschen (Personal, Kredit)? Diese Zeilen schaust du dir genauer an.

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    Regeln und Schulung festhalten

    Kurze interne KI-Regeln, eine Einweisung fürs Team, Datum und Teilnehmer notieren. Die Liste regelmäßig aktualisieren, wenn neue Tools dazukommen.

Strafen, Aufsicht, Anlaufstellen und Förderung

Die Geldbußen stehen in Art. 99: bis zu 35 Mio. Euro oder 7 % des weltweiten Jahresumsatzes bei verbotenen Praktiken, bis zu 15 Mio. Euro oder 3 % unter anderem bei Verstößen gegen Betreiberpflichten und die Transparenzpflichten nach Art. 50. Für KMU gilt laut Art. 99 Abs. 6 jeweils der niedrigere der beiden Beträge. Das sind Obergrenzen, keine Regelstrafen.

Eine österreichische Marktüberwachungsbehörde für den AI Act gibt es laut RTR noch nicht, Stand Oktober 2026. Das Bundeskanzleramt betonte laut ORF, dass Unternehmen die Anforderungen trotzdem erfüllen müssen. Erste Anlaufstelle für Fragen ist die KI-Servicestelle der RTR (rtr.at/ki-servicestelle), dazu die WKO mit KI-Guidelines und einem Online-Tool für eigene Richtlinien.

Zur Förderung: Das Budget von KMU.DIGITAL 4.0 ist laut kmudigital.at vollständig ausgeschöpft, Anträge sind nicht mehr möglich, und das Programm wird ab 2027 nicht fortgeführt. Ob aktuell andere Programme, etwa der aws oder FFG, zu deinem KI-Projekt passen, klärst du am besten bei der Förderberatung deiner Wirtschaftskammer. Bedingungen können sich ändern.

Häufige Fragen

›Gilt der AI Act auch für kleine Firmen und EPU?

Ja, sobald du KI beruflich einsetzt. Für die meisten kleinen Betriebe heißt das in der Praxis: KI-Kompetenz im Team fördern und bei Chatbots oder Deepfakes die Transparenzpflichten einhalten. Ausgenommen ist nur die rein private Nutzung.

›Darf ich ChatGPT in der Firma nutzen?

Ja. Der AI Act verbietet die Nutzung nicht. Achte auf die DSGVO (keine Kundendaten in Gratis-Accounts, besser ein Business-Tarif mit Auftragsverarbeitungsvertrag), schule dein Team kurz und lass Ergebnisse von einem Menschen prüfen.

›Ab wann gilt der AI Act in Österreich?

Schrittweise: Verbote und KI-Kompetenz seit 2. Februar 2025, Transparenzpflichten seit 2. August 2026, Hochrisiko-Pflichten nach dem Digital Omnibus ab 2. Dezember 2027 (Anhang III) bzw. 2. August 2028 (Anhang I).

›Wer kontrolliert den AI Act in Österreich?

Laut RTR ist die nationale Zuständigkeit, also eine Marktüberwachungsbehörde, Stand Oktober 2026 noch nicht gesetzlich geregelt. Informationen und Beratung gibt es bei der KI-Servicestelle der RTR.

›Welche Strafen drohen bei Verstößen gegen den AI Act?

Art. 99 nennt Obergrenzen von bis zu 35 Mio. Euro bzw. 7 % des Umsatzes für verbotene Praktiken und bis zu 15 Mio. Euro bzw. 3 % für andere Pflichten wie die Transparenzpflichten. Für KMU gilt der jeweils niedrigere Betrag.

›Brauche ich einen KI-Beauftragten?

Nein. Laut RTR verpflichtet der AI Act nicht dazu, einen KI-Beauftragten zu bestellen. Sinnvoll ist trotzdem, im Betrieb eine Ansprechperson für KI-Fragen festzulegen.

Hilfe beim KI-Check für deinen Betrieb?

Kennst gerade niemanden, der das kann? Kein Problem: Beschreib einmal, was du brauchst, und wer sich auskennt und Zeit hat, meldet sich mit einem Angebot. Kostenlos, ohne Provision.

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Quellen & Stand

Alle Angaben ohne Gewähr: Preise sind unverbindliche Richtwerte, rechtliche Hinweise allgemeine Informationen. Zuletzt geprüft am 22. Oktober 2026. Für deinen Einzelfall frag bei der zuständigen Stelle, einem Anwalt oder Steuerberater nach.

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