Microsoft 365 Alternative aus Europa: Office, Mail, Teams und OneDrive ersetzen

Aktualisiert am 22. Oktober 2026 5 Min. Lesezeit
Mann am Schreibtisch in einem Büro führt auf seinem Laptop eine Videokonferenz
Foto: LinkedIn Sales Navigator / Pexels

Für jeden Teil von Microsoft 365 gibt es europäische Alternativen: LibreOffice oder OnlyOffice statt Word und Excel, mailbox.org oder Posteo statt Outlook-Postfach, Nextcloud statt OneDrive und Teams. Komplettpakete gibt es etwa von mailbox.org aus Deutschland oder Infomaniak aus der Schweiz, die aber nicht in der EU liegt. Ehrlich gesagt: Bei komplexen Excel-Makros, gewohnten Teams-Abläufen und der Migration selbst wird es aufwendig, deshalb lohnt sich ein schrittweiser Umstieg.

Vor dem Umstieg klären

  • Welche Microsoft-365-Teile nutzt ihr wirklich: Word, Excel, Outlook, Teams, OneDrive, SharePoint?
  • Gibt es Excel-Dateien mit Makros (VBA) oder Vorlagen, an denen Abläufe hängen?
  • Mit welchen Kunden und Partnern arbeitet ihr regelmäßig über Teams?
  • Läuft die Mail-Domain auf euch, und wer hat Zugriff auf die DNS-Einstellungen?
  • Wie viele Daten liegen in OneDrive und SharePoint (GB)?
  • Wer im Team kümmert sich um die neue Lösung oder welcher IT-Dienstleister?
Listenpreise europäischer Anbieter (Auswahl)
LeistungPreisEinheit
LibreOffice (Office-Programme am PC)kostenlosOpen Source
mailbox.org Business Standard (Mail, Kalender, 10 GB Drive, Office, Videokonferenz)4 € nettopro Nutzer und Monat
mailbox.org Business Premium (50 GB Mail, 100 GB Drive)12 € nettopro Nutzer und Monat
Infomaniak kSuite Pro (Schweiz)ab 1,76 CHF exkl. MwSt.pro Nutzer und Monat
ONLYOFFICE DocSpace Business20 €pro Administrator und Monat, Nutzer und Gäste kostenlos
Nextcloud Enterprise Standard (ab 100 Nutzer)71,29 € nettopro Nutzer und Jahr
Listenpreise laut den Preisseiten der Anbieter, Stand Oktober 2026, ohne Gewähr. Netto heißt exkl. USt. Preise und Leistungen ändern sich, prüf vor der Entscheidung die aktuelle Preisseite. Kosten für Einrichtung, Migration und Schulung durch einen IT-Dienstleister kommen dazu.

Die Alternativen auf einen Blick, mit Herkunftsland

Bevor du vergleichst: Schau bei jedem Anbieter, wo die Firma sitzt und wo die Daten liegen. „Europäisch“ heißt nicht automatisch EU. Die Schweiz ist kein EU-Mitglied. Die EU-Kommission hat im Jänner 2024 aber bestätigt, dass das Schweizer Datenschutzniveau weiterhin angemessen ist, Daten dürfen also in der Regel ohne Zusatzverträge dorthin fließen. Großbritannien und Norwegen sind ebenfalls nicht in der EU.

  • LibreOffice: Office-Paket von The Document Foundation, einer gemeinnützigen Stiftung mit Sitz in Berlin
  • Nextcloud: Dateiablage, Videocalls (Talk), Kalender und Online-Office, Nextcloud GmbH aus Deutschland
  • mailbox.org: Mail, Kalender, Drive, Office und Videokonferenz, Rechenzentren laut Anbieter in Berlin
  • Posteo: Mail, Kalender, Adressbuch aus Berlin, vor allem für Privatpersonen
  • ONLYOFFICE: Online- und Desktop-Office, entwickelt von Ascensio System SIA in Riga (Lettland), Holding laut eigener Angabe in Singapur
  • Collabora Online: Online-Office auf LibreOffice-Basis, Firma in Cambridge, Großbritannien (nicht EU)
  • Infomaniak kSuite: Mail, kDrive, kChat, kMeet, Firma und Hosting laut Anbieter ausschließlich in der Schweiz (nicht EU)
  • Proton: verschlüsselte Mail, Kalender, Drive, Docs und Meet, Proton AG in Genf, Schweiz (nicht EU)

Word, Excel, PowerPoint ersetzen: LibreOffice und Co.

LibreOffice ist kostenlos und läuft auf Windows, macOS und Linux. Writer, Calc und Impress öffnen und speichern auch .docx, .xlsx und .pptx. Für Briefe, Angebote, einfache Kalkulationen und Präsentationen reicht das in den meisten Betrieben. Das Bundesheer stellt laut Janes rund 16.000 Arbeitsplätze auf LibreOffice um.

Wenn ihr gleichzeitig im Browser an einem Dokument arbeiten wollt wie in Word Online, braucht ihr ein Online-Office. Nextcloud bietet dafür „Nextcloud Office“ an, seit Hub 26 laut Nextcloud auf Basis von Euro-Office, alternativ Collabora Online. ONLYOFFICE gibt es als Cloud-Dienst (DocSpace) oder zum Selbst-Hosten.

Outlook und Exchange ersetzen: Mail und Kalender

Für Firmenmail mit eigener Domain gibt es mailbox.org: Der Business-Tarif Standard kostet laut Preisseite 4 € netto pro Nutzer und Monat, inklusive Kalender, Adressbuch, 10 GB Drive, Online-Office und Videokonferenz. Proton und Tuta (Tutao GmbH, Hannover) setzen stärker auf Verschlüsselung, Proton sitzt in der Schweiz. Für Privatpersonen ist Posteo aus Berlin mit 1 € im Monat laut eigener Website eine schlanke Lösung.

Outlook als Programm kannst du oft weiterverwenden, weil die meisten Anbieter Standards wie IMAP, CalDAV und CardDAV unterstützen. Eine Übersicht zu Mail-Anbietern findest du im Artikel zu E-Mail-Anbietern aus Europa.

Teams und OneDrive ersetzen: Dateien, Chat, Videocalls

Nextcloud ist die bekannteste Open-Source-Alternative für Dateiablage plus Chat und Videocall (Nextcloud Talk). Die Enterprise-Abos von Nextcloud selbst gibt es laut Preisseite erst ab 100 Nutzern. Kleine Betriebe nutzen deshalb meist einen Hoster oder IT-Dienstleister, der Nextcloud betreibt, auch mit Rechenzentrum in Österreich. Frag dort nach Serverstandort, Backups und AV-Vertrag.

Ein Beispiel aus Österreich: Das Wirtschaftsministerium hat laut Nextcloud im Herbst 2025 rund 1.200 Mitarbeitende auf Nextcloud auf eigenen Servern umgestellt. Teams wird in bestimmten Bereichen weiter genutzt. Ein Mischbetrieb ist also normal.

Infomaniak kSuite bündelt Mail, kDrive, Chat (kChat) und Videocalls (kMeet). Laut Infomaniak werden Software und Daten ausschließlich in der Schweiz gehostet. kSuite Pro startet laut Website ab 1,76 CHF exkl. MwSt. pro Nutzer und Monat.

Migration Schritt für Schritt

Der Umstieg kostet vor allem Zeit, nicht Lizenzgeld. Plane realistisch ein paar Wochen ein, auch für einen kleinen Betrieb.

  1. 1

    Bestand erfassen

    Postfächer, Datenmengen, Teams-Kanäle, wichtige Excel-Dateien mit Makros und alle Geräte auflisten.

  2. 2

    Testzugang einrichten

    Zwei, drei Leute testen die neue Lösung mit echten Dateien. Makros, Vorlagen und Kalender-Freigaben zuerst prüfen.

  3. 3

    Mails umziehen

    Postfächer per IMAP übertragen, danach die MX-Einträge der Domain umstellen. Den alten Dienst noch einige Wochen parallel laufen lassen.

  4. 4

    Dateien verschieben

    Ordner für Ordner, mit Rechten und Freigaben. Links in Dokumenten und Lesezeichen anpassen.

  5. 5

    Kurz schulen und kündigen

    Eine kurze Einschulung für alle, eine Ansprechperson für Fragen. Microsoft 365 erst kündigen, wenn alles läuft und gesichert ist.

Für wen sich der Umstieg lohnt und für wen nicht

Gut geeignet ist der Wechsel für Betriebe, die vor allem Mail, Kalender, Dateiablage und normale Office-Dokumente brauchen. Schwierig wird es bei tief integrierten Microsoft-Lösungen wie SharePoint-Workflows, Power Automate oder Branchensoftware, die nur mit Excel oder Outlook zusammenarbeitet. Dort ist ein Mischbetrieb oft vernünftiger als ein kompletter Wechsel.

Wenn dir der Umstieg zu viel ist: Beschreib einmal, was ihr nutzt und wohin ihr wollt, und vergleiche Angebote von IT-Betrieben aus der Nähe. Ein guter Dienstleister sagt dir auch ehrlich, wo es sich nicht lohnt.

Häufige Fragen

›Gibt es eine kostenlose Alternative zu Microsoft Office?

Ja, LibreOffice ist kostenlos und Open Source, entwickelt unter dem Dach der gemeinnützigen The Document Foundation aus Berlin. Es öffnet und speichert auch Word-, Excel- und PowerPoint-Dateien.

›Was ist die beste europäische Alternative zu Microsoft 365?

Eine „beste“ gibt es nicht. Für Mail plus Office aus einer Hand passen etwa mailbox.org (Deutschland) oder kSuite (Schweiz), für Dateiablage und Videocalls Nextcloud, für reine Office-Programme LibreOffice. Entscheidend ist, was ihr wirklich nutzt.

›Laufen meine Excel-Makros in LibreOffice?

Teilweise. Laut LibreOffice-Hilfe ist die VBA-Unterstützung nicht vollständig, deckt aber die häufigsten Fälle ab. Komplexe Makros musst du testen und eventuell anpassen lassen.

›Was ist eine gute Teams-Alternative aus Europa?

Nextcloud Talk (Deutschland, Open Source), kChat und kMeet von Infomaniak (Schweiz) oder die Videokonferenz, die bei mailbox.org im Standard-Tarif dabei ist.

›Ist ein Schweizer Anbieter genauso gut wie ein EU-Anbieter?

Die Schweiz ist nicht in der EU, die EU-Kommission hat ihr aber im Jänner 2024 weiterhin ein angemessenes Datenschutzniveau bestätigt. Für die meisten Betriebe ist ein Schweizer Anbieter datenschutzrechtlich in der Regel unproblematisch. Wenn ihr ausdrücklich EU-Recht wollt, wählt einen Anbieter mit Sitz in der EU.

Umstieg von Microsoft 365 begleiten lassen?

Kennst gerade niemanden, der das kann? Kein Problem: Beschreib einmal, was du brauchst, und wer sich auskennt und Zeit hat, meldet sich mit einem Angebot. Kostenlos, ohne Provision.

„Steuerbüro mit 5 Arbeitsplätzen in Graz möchte von Microsoft 365 auf eine europäische Lösung umsteigen (Mail mit eigener Domain, Kalender, Dateiablage, Videocalls). Gesucht: IT-Dienstleister für Bestandsaufnahme, Testphase mit zwei Personen, Mail-Migration und kurze Einschulung. Einige Excel-Dateien enthalten Makros. Bitte Angebot mit Aufwandsschätzung.“

Kostenlos jemanden finden

Quellen & Stand

Alle Angaben ohne Gewähr: Preise sind unverbindliche Richtwerte, rechtliche Hinweise allgemeine Informationen. Zuletzt geprüft am 22. Oktober 2026. Für deinen Einzelfall frag bei der zuständigen Stelle, einem Anwalt oder Steuerberater nach.

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