Pflegegeld beantragen: Stufen, Beträge 2026 und Ablauf

Pflegegeld bekommst du in Österreich, wenn du wegen einer Krankheit oder Behinderung voraussichtlich mindestens sechs Monate lang mehr als 65 Stunden Pflege im Monat brauchst. Den Antrag stellst du formlos bei der Stelle, die deine Pension auszahlt, meist der PVA. Laut oesterreich.gv.at gibt es 2026 zwischen 206,20 € (Stufe 1) und 2.214,80 € (Stufe 7) im Monat.
Checkliste: Pflegegeld-Antrag
- Zuständige Stelle klären: PVA, SVS oder BVAEB (die Stelle, die die Pension zahlt)
- Antrag formlos stellen, dann das zugeschickte Formular ausfüllen und unterschreiben
- Aktuelle Arztbriefe und Befunde beilegen
- Medikamentenliste vom Arzt oder Spital (nicht selbst geschrieben)
- Pflegetagebuch mindestens eine Woche lang führen
- Vertrauensperson zur Begutachtung dazuholen
- Bescheid prüfen: Klagefrist drei Monate ab Zustellung
| Leistung | Preis | Einheit |
|---|---|---|
| Stufe 1: mehr als 65 Stunden | 206,20 € | pro Monat |
| Stufe 2: mehr als 95 Stunden | 380,30 € | pro Monat |
| Stufe 3: mehr als 120 Stunden | 592,60 € | pro Monat |
| Stufe 4: mehr als 160 Stunden | 888,50 € | pro Monat |
| Stufe 5: mehr als 180 Stunden, außergewöhnlicher Pflegeaufwand | 1.206,90 € | pro Monat |
| Stufe 6: mehr als 180 Stunden, Betreuung Tag und Nacht nicht planbar oder dauernde Aufsicht | 1.685,40 € | pro Monat |
| Stufe 7: mehr als 180 Stunden, keine zielgerichteten Bewegungen der Arme und Beine möglich | 2.214,80 € | pro Monat |
Wer bekommt Pflegegeld?
Laut oesterreich.gv.at gibt es drei Voraussetzungen: ein ständiger Betreuungs- und Hilfsbedarf wegen einer körperlichen, geistigen, psychischen oder Sinnesbehinderung, der voraussichtlich mindestens sechs Monate dauert. Ein Pflegebedarf von mehr als 65 Stunden im Monat. Und dein gewöhnlicher Aufenthalt in Österreich, in bestimmten Fällen geht es auch im EWR oder in der Schweiz.
Gezählt wird Hilfe bei der Körperpflege, beim Essen oder Anziehen, und bei fünf Tätigkeiten im Haushalt: Einkaufen und Besorgungen, Reinigung, Wäsche, Heizen und Mobilität im weiteren Sinn.
Bei schwerer geistiger oder psychischer Behinderung, insbesondere Demenz, rechnet die Begutachtung laut oesterreich.gv.at ab dem 15. Geburtstag pauschal 45 Stunden pro Monat dazu (Erschwerniszuschlag). Für schwer behinderte Kinder gibt es eigene Zuschläge.
Pflegegeld beantragen: so geht der Antrag
Zuständig ist in der Regel die Stelle, die deine Pension auszahlt: bei ASVG-Pensionen die Pensionsversicherungsanstalt (PVA), bei Beamtenpensionen die BVAEB, bei SVS-Pensionen die SVS. Für Berufstätige und mitversicherte Angehörige ist laut oesterreich.gv.at ebenfalls die PVA zuständig.
- 1
Antrag stellen
Formlos reicht, ein kurzer Brief oder Anruf genügt. Landet der Antrag bei der falschen Stelle, muss sie ihn laut oesterreich.gv.at weiterleiten. Das Pflegegeld gebührt laut § 9 BPGG ab dem Monat nach dem Antrag, darum lieber früher als später.
- 2
Formular ausfüllen
Du bekommst ein Formular, in dem du einträgst, was du nicht mehr selbst schaffst. Unterschreiben und mit aktuellen Befunden und Arztbriefen zurückschicken. Das Formular gibt es laut Arbeiterkammer auch online bei PVA, SVS und BVAEB.
- 3
Pflegetagebuch führen
Notier mindestens eine Woche lang jeden Handgriff, bei dem du Hilfe brauchst, mit Uhrzeit und Dauer. Die AK Wien bietet dafür eine Vorlage zum Ausdrucken an.
- 4
Begutachtung zu Hause
Eine Ärztin, ein Arzt oder eine diplomierte Pflegefachkraft kommt nach Ankündigung zum Hausbesuch. Laut AK dauert es ab Antrag etwa vier bis sechs Wochen bis dahin.
- 5
Bescheid abwarten
Die Stelle entscheidet per Bescheid. Laut AK hat der Versicherungsträger dafür bis zu sechs Monate Zeit.
Begutachtung: Pflegetagebuch und Vertrauensperson
Bei der Begutachtung darf laut AK eine Vertrauensperson dabei sein, etwa eine Angehörige oder die Pflegeperson, auch wenn die begutachtende Person das nicht möchte. Die Vertrauensperson kennt den Alltag und kann ergänzen, was vergessen wird.
Leg bereit: Pflegetagebuch, Pflegedokumentation der Hauskrankenpflege falls vorhanden, aktuellen Arztbrief und die Medikamentenverordnung vom Arzt oder Spital. Hilfsmittel wie Rollator oder Toilettensitz sollten sichtbar sein, sie zeigen den Bedarf.
- Wobei brauchst du Hilfe: Waschen, Anziehen, Essen, Toilette, Medikamente
- Wie oft am Tag, auch in der Nacht
- Wer hilft im Haushalt: Einkaufen, Putzen, Wäsche, Heizen
- Stürze, Orientierungsprobleme, Vergesslichkeit
Pflegegeld zu niedrig oder abgelehnt: Klage statt Einspruch
Einen Einspruch wie bei anderen Behörden gibt es beim Pflegegeld nicht. Bist du mit dem Bescheid nicht einverstanden, kannst du laut oesterreich.gv.at innerhalb von drei Monaten ab Zustellung beim Arbeits- und Sozialgericht klagen. Du kannst die Klage auch bei der Stelle einbringen, die entschieden hat, oder mündlich beim Amtstag des Gerichts.
In der ersten Instanz brauchst du keinen Anwalt. Schriftsätze sind laut oesterreich.gv.at in der Regel gebührenfrei, auch die Gutachten der gerichtlichen Sachverständigen kosten dich nichts. Nur wenn du dir einen Anwalt nimmst und verlierst, zahlst du dessen Kosten selbst.
Die AK Wien prüft für Mitglieder kostenlos die Chancen einer Klage, Behindertenverbände wie der KOBV können dich vor Gericht vertreten. Eine Mustervorlage für die Klage steht im AK-Pflegetagebuch.
Erhöhung beantragen, wenn es schlechter wird
Verschlechtert sich der Zustand, kannst du laut oesterreich.gv.at eine Erhöhung beantragen, bei derselben Stelle, die zuletzt entschieden hat. Auch dann wird neu begutachtet, das Pflegetagebuch hilft wieder.
Pflegegeld ist eine Unterstützung, deckt laut AK aber nicht die gesamten Kosten. Wer Hilfe im Haushalt oder beim Einkaufen sucht und niemanden kennt, kann den Bedarf einmal beschreiben und Angebote aus der Nähe vergleichen.
Häufige Fragen
›Wie viel Pflegegeld bekommt man 2026?
Laut oesterreich.gv.at zwischen 206,20 € (Stufe 1) und 2.214,80 € (Stufe 7) im Monat, zwölfmal im Jahr. Stufe 3 sind zum Beispiel 592,60 €.
›Wo beantrage ich Pflegegeld?
Bei der Stelle, die deine Pension auszahlt, meist der PVA, bei Beamten der BVAEB, bei SVS-Pensionen der SVS. Berufstätige wenden sich in der Regel an die PVA.
›Wie lange dauert es, bis man Pflegegeld bekommt?
Bis zur Begutachtung laut AK etwa vier bis sechs Wochen, für die Entscheidung hat der Träger bis zu sechs Monate Zeit. Bezahlt wird rückwirkend ab dem Monat nach dem Antrag.
›Was ist ein Pflegetagebuch?
Eine Liste, in der du mindestens eine Woche lang festhältst, wobei und wie lange du Hilfe brauchst. Die AK Wien hat eine kostenlose Vorlage.
›Kann ich gegen den Pflegegeld-Bescheid Einspruch erheben?
Statt Einspruch gibt es eine Klage beim Arbeits- und Sozialgericht, innerhalb von drei Monaten ab Zustellung. In der ersten Instanz ohne Anwaltspflicht und in der Regel ohne Gerichtsgebühren.
›Zählt Demenz beim Pflegegeld?
Ja. Bei schwerer geistiger oder psychischer Behinderung, insbesondere Demenz, werden laut oesterreich.gv.at ab 15 Jahren pauschal 45 Stunden pro Monat zusätzlich angerechnet.
Hilfe im Alltag gesucht? Angebote aus der Nähe vergleichen
Kennst gerade niemanden, der das kann? Kein Problem: Beschreib einmal, was du brauchst, und wer sich auskennt und Zeit hat, meldet sich mit einem Angebot. Kostenlos, ohne Provision.
„Mein Vater (79, Pflegegeld beantragt) braucht Hilfe beim Einkaufen und bei Arztterminen, zweimal pro Woche vormittags in Linz-Urfahr. Er geht mit Rollator. Bitte mit Stundensatz und ob ihr auch mit dem Auto begleiten könnt.“
Kostenlos jemanden findenQuellen & Stand
Alle Angaben ohne Gewähr: Preise sind unverbindliche Richtwerte, rechtliche Hinweise allgemeine Informationen. Zuletzt geprüft am 22. Oktober 2026. Für deinen Einzelfall frag bei der zuständigen Stelle, einem Anwalt oder Steuerberater nach.
- oesterreich.gv.at: Höhe des Pflegegeldes
- oesterreich.gv.at: Voraussetzungen für das Pflegegeld
- oesterreich.gv.at: Antrag auf Pflegegeld
- oesterreich.gv.at: Zuständigkeit für den Antrag
- oesterreich.gv.at: Pflegegeld, Verfahren vor den Gerichten
- RIS: § 9 Bundespflegegeldgesetz
- AK Wien: Das Pflegetagebuch 2026 (PDF)


